Ein kleines bisschen Horrorschau

CO-REACH_Blog--Seite_19_Ein_kleines_bisschen_Horrorschau--Boeckmann[1]Was ist denn hier los? In meinem Kühlschrank stehen vier Becher Joghurt (fettarm). Obwohl ich den gar nicht mag. Und wer hat zuletzt beim Lieferdienst bestellt? Mein Kühlschrank in Absprache mit meinem Fitnessarmband! Das teilte ihm mit, dass ich weniger essen darf, wegen zehn läppischer Kilometer, die ich vergangene Woche nicht gelaufen bin. Gut, die zehn Kilometer standen in meinem Trainingsplan. Aber, dass ich so konsequent sanktioniert werde, habe ich nicht erwartet. Ein strenges Fitnessarmband. Ich suche vergeblich meine Schokolade und meinen Vanille-Pudding. Ob das etwa alles der Lieferdienst mitgenommen hat?

Der Appetit treibt mich in die Fast-Food-Filiale um die Ecke, ich bestelle zwei Cheeseburger. Die Bedienung guckt auf ihren Bildschirm, lächelt sanft und stellt einen Salat mit Cherrytomaten auf den Tresen. „Mehr ist heute leider nicht drin“, sagt sie. Auch der Server des Fast-Food-Ladens weiß Bescheid. Mein Armband hat just mit ihm konspiriert.

Der ganze Vorfall ist meiner Datenbrille nicht entgangen. Sie sieht alles. Sie misst mein hektisches Zwinkern und meine Pupillengröße. Sie weiß, welchen Service ich brauche, zeigt mir die Route zur nächsten Schlemmer-Bäckerei und bestellt vorab ein warmes Käsebaguette. Hurra! So stelle ich mir die intelligente Vernetzung von Geräten vor – das Internet der Dinge, von dem oft die Rede ist.

Leider habe ich die Rechnung ohne mein Auto gemacht. Ein ziemlich neues Teil, das bereits als „Connected Car“ durchgeht. Ich drehe am Zündschlüssel, nichts rührt sich. Mir dämmert: Erst neulich hatte mich mein Wagen wegen meines flotten Fahrstils beim Versicherer verpetzt. Der hat die Prämie gleich um 20 Prozent erhöht, nachgezahlt habe ich aber nicht. Also knipst er mir heute das Auto aus. Dafür leuchtet plötzlich das Cockpit-Display. Ein Versicherungsmitarbeiter mit Headset ist zu sehen. Er sagt, nicht nur meine Zahlungsmoral, auch meine Gesundheitsdaten seien bedenklich. Meine Krankenkasse wüsste bereits Bescheid, ebenso mein Kühlschrank, mein Arbeitgeber und meine Frau.

Ich stehe senkrecht im Bett, mein Herz rast. Zum Glück ist dieser Alptraum vorbei.

Irgendwann am Tag wandert mein Blick über meine Weihnachtswunschliste. Dort steht es: das Fitnessarmband. Ich glaube, ich wünsche es mir trotzdem. Immerhin soll es ja beim Abnehmen helfen.

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