Ibrahim Evsan: Das „social“ in Social Media

Ibrahim Evsan
Ibrahim Evsan im Interview für unser CO-REACH Magazin: Er will mit seinem Unternehmen Social Trademarks zum „Königsmacher“ werden.

2006 baute er das Video- und Bild-Portal Sevenload auf, mit seinem aktuellen Projekt Social Trademarks will er Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft dabei helfen, via Facebook, Twitter und Co. zur eigenen Marke zu werden. Ibrahim Evsan ist also in der digitalen Welt zu Hause. Und deshalb weiß der Serial Entrepreneur, wie sich Unternehmen hier aufstellen sollten. Der Mensch ist dabei entscheidend.

Herr Evsan, Social Media gibt es – grob gesagt – seit Mitte der 2000er Jahre. Sie sind von Anfang an dabei. Was bedeuten Plattformen wie Facebook oder Twitter für die Unternehmen?
Ibrahim Evsan: Die Unternehmen befinden sich nach wie vor in einer Transformation. Sie müssen damit umgehen, dass mit Social Media eine neue Kommunikationsphilosophie entstanden ist. Der Nutzer erwartet Dialog und Interaktion auf Augenhöhe statt One-Way-Verlautbarungen von oben herab. Sich daran anzupassen, fällt den Verantwortlichen schwer.

Wo liegt das Problem? Die Kommunikation per Social Media bietet doch viele Vorteile.
Ibrahim Evsan: Vor Social Media war es für die Unternehmen viel einfacher. Die Kommunikationschefs entschieden, was wann wo gesagt wird. Es gab klare Strukturen, an denen sich jeder orientieren konnte und die für Sicherheit sorgten. Wegen der hohen Eigendynamik des Internets ist das alles passé. Und das macht den meisten Kommunikationschefs Angst, erzeugt bei ihnen Ablehnung. Sie beherrschen die Technologien nicht – zumindest nicht so gut wie viele Nutzer. Und sie verirren sich in der Vielfalt der Möglichkeiten. Am schlimmsten: Sie haben noch gar nicht verstanden, dass es eine neue, eine soziale Beziehungen zwischen Unternehmen und Kunden gibt. Gleichzeitig kommunizieren die Kunden auf den Social-Media-Plattformen über die Unternehmen – ob die das nun wollen oder nicht. Und das trägt dazu bei, dass die Kommunikationschefs langsam aber sicher ihre Machtposition verlieren. Eigentlich haben sie sie schon verloren. Ihre Reaktion wirkt meist etwas hilflos. Sie veranlassen zum Beispiel Kampagnen auf Facebook, um maximal viele Fans oder maximal viele Views zu erreichen. Aber das ist nicht Social Media.

Was genau ist denn Social Media? Und wie können Unternehmen ihre Kommunikation sinnvoll gestalten?
Ibrahim Evsan: Nach meiner Auffassung bedeutet Social Media: der Mensch im Internet. Die Unternehmen müssten den Menschen in den Vordergrund rücken und ihn in seinem gesamten Dasein verstehen und ernst nehmen. Nicht nur als Kunden. Die Frage ist nur, ob sie das wirklich wollen. Falls ja, sollte dann auch die Kommunikation von Mensch zu Mensch erfolgen. Das bedeutet, dass jeder einzelne Mitarbeiter auf Social-Media-Plattformen unterwegs sein sollte. Dieses umfassende Verständnis hat sich längst nicht durchgesetzt. Wir sind – wie gesagt – noch mitten in der Transformation.

Das Ziel ist sehr schön – ist aber etwas abstrakt. Wie könnte es aussehen, den Menschen in den Vordergrund zu rücken?
Ibrahim Evsan: Im Grunde setzt das einen ganz neuen Management-Stil voraus, der das gesamte Unternehmen umfasst. Kurz gesagt: Unternehmen müssen nicht nur etwas für sich, sondern für die Gesellschaft erreichen wollen. Sie müssen ihr Wissen teilen und eine klare Position beziehen, um so Werte zu schaffen. Das bedingt, dass hinter einer Information auch ein realer Mensch steckt. Also ist es wichtig, die Mitarbeiter zu ermutigen und zu unterstützen, ihre Fähigkeiten nach außen zu tragen und zu Influencern zu werden. Das heißt zum Beispiel ganz konkret, dass die Mitarbeiter gezielt und kontinuierlich ihre Kommunikations- und Technologie-Skills ausbauen. Und die Verantwortlichen müssen den Mut aufbringen, ihren Kollegen den Raum zu geben, in der Kommunikation die eigene Kreativität und Persönlichkeit auszuleben.

Und die Facebook-Seite der Marke selbst hat dann ausgedient, wenn die Mitarbeiter kommunizieren?
Ibrahim Evsan: Ausgedient würde ich nicht sagen. Man kann die eigene Seite schon behalten. Aber ganz ehrlich: Wer besucht denn schon gerne die Facebook-Seite eines Unternehmens? Meist ist das doch vollkommen sinnlos.

Wie muss man sich das genau vorstellen, wenn Mitarbeiter zu Kommunikatoren für ihr Unternehmen werden?
Ibrahim Evsan: Die Idee ist, die eigenen Mitarbeiter zu Influencern zu machen, die zu einem bestimmten Thema authentisch eine Position beziehen, glaubhaft sind und damit als Meinungsführer Einfluss haben. Aber Achtung: Das heißt ganz und gar nicht, Mitarbeiter zu Instrumenten der Kommunikationsabteilung zu machen, die nach Belieben eingesetzt werden können. Die Mitarbeiter müssen das, was sie tun, aus sich selbst heraus und mit Überzeugung tun. Unternehmen können das durch den richtigen Rahmen fördern – indem sie eine Kultur schaffen, in der jeder seine Persönlichkeit entfalten kann und seine Werte im Einklang mit den Werten des Unternehmens sieht.

Über Social Media sollen Unternehmen beziehungsweise die Mitarbeiter also ihr Wissen teilen. Welche Bedeutung haben die übrigen Kanäle heute noch?
Ibrahim Evsan: Noch ein Schritt zurück: Wer wirklich zur Marke mit Einfluss werden will, muss eine breite Auswahl von Social-Media-Plattformen nutzen. Nur so wird man im Internet sichtbar. Aber natürlich gibt es Inhalte, die sich besonders gut gedruckt transportieren lassen. Diese würde ich aber dennoch auch digital anbieten, weil manche Nutzer das vielleicht bevorzugen. Das entscheidende Schlagwort ist crossmedial. Abgesehen von allen Medien als Mittlern: Es geht immer um Menschen. Und die müssen sich unmittelbar begegnen. Messen sind dafür eine hervorragende Möglichkeit. Denn letztlich werden die großen Geschäfte dann gemacht, wenn man sich in die Augen schaut.


Linktipp

Ibrahim Evsan ist längst eine Social Trademark. Das hat er unter anderem mit seinem Blog erreicht, auf dem er sich über die digitale Welt Gedanken macht: www.ibrahimevsan.de

CO-REACH 2016
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