Das Ich im digitalen Raum: Ein Gespräch mit Kixka Nebraska über Identität und Profile

Profilagentin Kixka Nebraska. Identität im digitalen Raum
Profilagentin Kixka Nebraska

Wer in Social Media aktiv ist und andere Menschen erreichen will, kommt nicht umhin, sich mit seiner Online-Identität auseinanderzusetzen. Die ersten drei Thesen des nach wie vor gültigen Cluetrain-Manifests lauten nicht von ungefähr: 1) Märkte sind Gespräche. 2) Die Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Segmenten. 3) Gespräche zwischen Menschen klingen menschlich. Sie werden in einer menschlichen Stimme geführt.

Mit der digitalen Sichtbarkeit von Menschen setzt sich Profilagentin Kixka Nebraska seit Jahren auseinander. Ich habe ihr einige Fragen gestellt, die meinem Eindruck nach für viele Besucher der CO-REACH interessant sein könnten – und für alle, die sich im digitalen Raum bewegen.

 

» Alles was ich teile, ist ein Identitätspostulat.«

WL: Über Content wird dieser Tage im digitalen Raum wieder viel diskutiert. Nicht weniger wichtig ist aber doch auch, von wem Inhalte geteilt werden – ob nun eigene oder die anderer. Lässt sich Content eigentlich ohne die Identität des Teilenden denken?

KN: Geteilte Inhalte stehen immer in einer intensiven Wechselwirkung mit der Person des Teilenden: Einerseits dient der geteilte Inhalt dazu, dessen Identität zu konstruieren – alles was ich teile, ist ein Identitätspostulat und damit ein Puzzleteil der von mir gesteuerten (sozial erwünschten) Außenwahrnehmung. Jeder Song bei Spotify, jedes abgelichtete Instagram-Tellergericht, jeder Facebook-Kommentar trägt damit zu meiner Online-Identität bei.

Andererseits wird jeder geteilte Inhalt durch den Teilenden in einen anderen Kontext gesetzt: Dieselben Inhalte werden unterschiedlich wahrgenommen, je nachdem ob ein Mann oder eine Frau sie teilt, ob eine Onlinerin mit großer Reichweite oder ein noch unbekannter Newbie das Fundstück platziert. Eine valide Reputation muss im Netz gewonnen werden und regelmäßig mit Postings mindestens ähnlich guter Qualität poliert werden, um langfristig anerkannt zu werden. Wertfreier Content, ohne die Identität des Teilenden gedacht, ist aus dieser Perspektive eher unwahrscheinlich.

 

Wie persönlich darf es sein?

WL: Wie persönlich darf und wie persönlich muss ein Profil sein, um im unternehmerischen Kontext zu funktionieren, also sichtbar zu sein und zu Dialog und Vernetzung einzuladen?

KN: Social Media funktioniert auch auf Unternehmensebene am besten, wenn die Persönlichkeit mindestens durchblitzt – kein Mensch will Unternehmens-Pressemitteilungen auf persönlichen Profilen lesen (… und sonst auch nur selten, da sind gute Stories gefragt.) Also ein klares JA: Bitte Persönlichkeit zeigen!

Doch wo verläuft die Grenze zum „Zuviel“? Die Situation ist vergleichbar mit einem lebendigen, guten geschäftlichen Sommerfest – dort wird auch geplaudert, aber selten privat. Wer gute Stories erzählen kann, hat schon gewonnen. Doch so wie ein Unternehmen die wenigsten seiner Mitarbeiter ohne Medientraining allein einer TV-Interviewsituation aussetzen kann, sieht es auch auf dem Social Media-Parkett aus: So empfiehlt es sich, die Vorraussetzungen zu schaffen, dass die Mitarbeiter, die im Social Web im Namen des Unternehmens aktiv sein sollen, auch über die notwendige digitale Medienkompetenz verfügen.
Und somit selber einschätzen können, wann es brenzlig wird, ohne auf eine Souffleuse angewiesen zu sein.

 

Gute Profile, schlechte Profile

WL: Du bist die Profilagentin und siehst vermutlich noch einmal ganz anders auf die vielen Profile in Social Media. Was ist der häufigste Fehler, der Dir auffällt?

KN: In den letzten sieben Jahren sind mir eine Menge höchst unterschiedlicher Kombinationen optimierbarer Profilbestandteile auf den Bildschirm gekommen. Wenn ich mich für einen Hauptfehler entscheiden müsste, wäre es die fehlende Kohärenz, also der Mangel an stimmigem Zusammenhalt, dessen Gegenteil ein sehr gutes Profil ausmacht: Dann ist es gleichgültig, auf welchem Profil der Person ich mich befinde – von der Qualität der Gestaltung bis zur Tonalität der Postings her ist es immer ganz eindeutig, wessen Profil ich vor mir habe, da der Mensch dahinter nicht nur digital präsent ist sondern fast schon spürbar im Raum steht. (Wem jetzt ein kleines Hologram vor Augen erscheint, liegt genau richtig! :) )

WL: Ein gutes Gespür, Konsequenz und Mut zum eigenen Ausdruck – im Analogen wie im Digitalen, das nehmen wir mit. Herzlichen Dank, liebe Kixka!

 

P.S. Kixka Nebraska, zertifizierte Trainerin und eModeratorin, ist seit Ende 2010 als Profilagentin (www.Profilagentin.com) im Netz aktiv, die digitale Sichtbarkeit ihrer Auftraggeber zu erhöhen. Nicht nur bei der individuellen digitalen Markenbildung, sondern auch bei Fragen zu Tools und Networks im Internet wird sie von Freiberuflern, Journalistenschulen, Stiftungen und Agenturen für Vorträge, Einzel-Coachings und Workshops gebucht.

Kixka Nebraska ist Mitgründerin der Digital Media Women #DMW und ist mehrfach auf der re:publica, einer der größten Digitalkonferenzen Europas, als Referentin aufgetreten.

 

Das Interview führte Wibke Ladwig.

 

In unserer Reihe Kostprobe sprechen wir mit Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln mit Kommunikation befassen. Uns interessiert, wie Menschen miteinander in geschäftlichen Zusammenhängen umgehen und wie digitale und analoge Welt zusammenwachsen.

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