Kostprobe: Ein Gespräch mit Klaus Eck über Veranstalter und Blogger

Klaus Eck
Kennt beide Seiten: Berater und PR-Blogger Klaus Eck

In unserer neuen Reihe Kostprobe sprechen wir mit Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln mit Kommunikation befassen. Uns interessiert, wie Menschen miteinander in geschäftlichen Zusammenhängen umgehen und wie digitale und analoge Welt zusammenwachsen. In der ersten Folge haben wir mit Klaus Eck über den Umgang von Veranstaltern mit Blogs und Bloggern gesprochen.


Wibke Ladwig
: Du besuchst viele Veranstaltungen, ob Messen oder Konferenzen, und veranstaltest auch selbst schon seit Jahren etwa das Bloggertreffen oder den Social Media Club München. Nun ist die Bedeutung von Social Media für letztgenannte Veranstaltungen unbestritten. Ich denke auch, wir sind uns einig, dass Social Media auch für Messen und Konferenzen unabdingbar sind. Eigentlich. Aber in der Praxis sieht das oft noch anders aus. Wie sind Deine Erfahrungen mit Veranstaltern und Social Media?

Klaus Eck: Wer aktiv Social Media und Blogs in seine Veranstaltungsvermarktung einbindet, erreicht darüber sehr gut seine Stakeholder. Deshalb empfehle ich den Betreibern von Messen und Kongressen immer, Social Media in Marketing und Kommunikation aktiv zu nutzen. Sie sollten einen Hashtag für die Veranstaltung definieren, Fotos der Besucher aktiv einfordern und einbinden, möglichst viele Kommunikationsanlässe schaffen, damit die Besucher viel über das Event schreiben und der Hashtag es vielleicht sogar in die Trending Topics von Twitter schafft. Das zahlt auf die Reputation der Marke ein.
Wir profitieren beim Social Media Club München davon, dass viele Teilnehmer selbst aktiv twittern, Fotos machen und Blogartikel über unsere Veranstaltungen schreiben. Auf diese Weise erhalten wir ständig Empfehlungen für unsere Events und viel positiven Zuspruch. Zudem publizieren wir vorher wie nachher in unseren Blogs smcmuc.wordpress.com sowie im www.pr-blogger.de über die Events und die Referenten. Bei jedem Termin gibt es zudem einen professionellen Fotografen. Seine Fotos stellen wir auf unsere Facebook Fanpage, damit sich die Teilnehmer gegenseitig taggen, sodass selbst im Nachklapp viel über den Social Media Club München kommuniziert wird und es reizvoll wird, beim nächsten Mal ebenfalls dabei zu sein.
Leider erlebe ich es hin und wieder, dass sogar Handyverbote bei Events ausgesprochen werden und dass es kein WLAN gibt, was die Online-Kommunikation dann beinahe unmöglich macht. Ohne Netzzugang scheitert auch die Vernetzung der Teilnehmer und somit die erfolgreiche Vermarktung einer Veranstaltung.


Sollten Veranstalter bloggen?

WL: Du hattest vor kurzem im PR-Blogger über die Grenzen von Corporate Blogs geschrieben. Inwieweit ist ein Blog für einen Messeveranstalter sinnvoll? Ist nicht schon von allen über alles gebloggt worden, insbesondere im Themenfeld Kommunikation?

KE: Wenn schon über alles gesprochen, geschrieben und gebloggt worden ist, dann braucht auch niemand mehr eine Messe. Denn wovon leben Veranstaltungen? Unter anderem vom Neuigkeitswert, davon dass sie auf Trends verweisen und einen guten Überblick über Branchenentwicklungen geben. Sollte dem jedoch nicht so sein, dann ist vielleicht eine Messe oder ein Kongress gar nicht notwendig. Gute Geschichten und exzellenter Content sollte den Veranstaltungen somit keinesfalls ausgehen. Allerdings reicht es längst nicht mehr, eine Messe nur textuell in einem Corporate Blog zu begleiten.
Im Prinzip können Veranstalter von jährlichen Events ihre Blogs als Content-Hub nutzen, um die Events als Marke das ganze Jahr über sichtbar zu machen. Das leistet allerdings kaum eine Messe, weil es relativ kostenintensiv ist und gewisser personeller Ressourcen bedarf. Gut gemachte Messeblogs erweitern die Möglichkeiten, seine Stakeholder direkt anzusprechen. Dafür müssen Konzepte aufgesetzt werden, die über einige Interviews und Abbildungen von Veranstaltungen hinausgehen.
Je einzigartiger der Content eines Blogs, desto mehr Anreize entstehen für Messebesucher, Aussteller und Referenten, an einem Event teilhaben zu wollen. Insofern sind Corporate Blogs eine großartige Investition, die sich auszahlen kann, wenn es eine passende Content-Strategie dafür gibt und sich jemand auch aktiv um das Content-Marketing kümmert. Daran fehlt es meistens. Und deshalb scheitern viele Corporate-Blog-Ansätze.


High Five für Blogger

WL: Fünf Punkte, die ein Messeveranstalter erfüllen sollte, wenn sich Blogger angesprochen und wohlfühlen sollen?

KE: Erstens sollten Blogger im Rahmen von Influencer Relations persönlich eingeladen werden.
Zweitens fühlen Blogger sich in schnellen Netzen wohl. (Fast Speed Internet!)
Drittens sind Hotspots sehr gut, auf denen digitale Themen angeboten werden, die für Blogger in der Regel relevant sind.
Viertens ist eine Wertschätzung der Blogger von Vorteil. Geben Sie den Bloggern die Gelegenheit, sich zu präsentieren (Video, Bild, Text) und stellen Sie die Blogger vor.
Fünftens schadet es nicht, Blogger zu Essen und Trinken auf einer Party einzuladen.

WL: Herzlichen Dank, lieber Klaus.

Das Interview führte Wibke Ladwig


Klaus Eck ist Geschäftsführer der Eck Consulting Group. Im November 2015 hat er die Content-Marketing-Agentur d.Tales gegründet. Der Berater und Keynotespeaker unterstützt seit mehr als 18 Jahren Marken bei der Digitalisierung ihrer Unternehmens-, Marketing- und Kommunikationsprozesse. Er hat vier Fachbücher und zahlreiche Publikationen in Zeitschriften über Content-Marketing und Reputation Management veröffentlicht. Darüber hinaus betreibt er seit 2004 das Fachmedium PR-Blogger. Außerdem ist er Lehrbeauftragter an der Electronic Media School in Potsdam (Content-Marketing), FH Joanneum in Graz (Content Strategy) und an der Hamburg Media School (Digital Journalism).

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