Liebesspielzeug für alle!

Lea-Sophie Cramer, Mit-Gründerin des Online-Sexshops Amorelie
Lea-Sophie Cramer, Mit-Gründerin des Online-Sexshops Amorelie

2013 ist Lea-Sophie Cramer gemeinsam mit Sebastian Pollok ein echter Start-up-Coup gelungen. Die beiden gründeten den Online-Sexshop Amorelie und sprachen damit als erstes Unternehmen gezielt Menschen an, die sich zwar für Sexspielzeug interessieren, denen es in den typischen Ladengeschäften aber zu schmuddelig zugeht. Mit dem Konzept bekam Amorelie von Beginn an enorme Aufmerksamkeit und wuchs rasant. 2015 übernahm ProSieben Sat. 1 Media 75 Prozent. Über die Bedeutung von TV, die Schwierigkeiten bei Social Media und die Tücken der Namensfindung berichtet Lea-Sophie Cramer.

Frau Cramer, als Sie mit Ihrem Online-Sexshop gestartet sind, haben Sie sich in einen heiklen Markt gewagt. Die Positionierung von Amorelie muss deshalb enorm wichtig gewesen sein. Wie sah Ihre Strategie zur Gründung aus?

Lea-Sophie Cramer: Amorelie entstand unter anderem aus der Beobachtung heraus, dass es keinen passenden „Ort“ gab, um sich über qualitative Produkte für das Liebesleben zu informieren und beraten zu lassen – ohne sich unwohl zu fühlen. Mit unserem Konzept sprechen wir daher eine ganz neue Zielgruppe an: Singles und Paare, die sich inspirieren lassen möchten und bisher noch wenig oder gar keine Erfahrung mit Liebesspielzeug haben. Diese Menschen fühlten sich von den klassischen Anbietern in der Erotikbranche häufig abgeschreckt. Mit unserem frischen, leicht verspielten, aber klaren Design, dem von Experten zusammengestellten Sortiment, unseren Amorelie Toypartys und einem großartigen Kundenservice bieten wir ein einzigartiges Paket, das unseren Kunden die teils erklärungsbedürftigen Lovetoys näher bringt. Unsere Idee, Liebesspielzeug aus der Schmuddelecke herauszuholen und in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, kam zu einem sehr günstigen Moment, ermöglichte enorm viel Gestaltungsfreiraum und Weiterentwicklungspotenziale. Für eine Gründungsstrategie ist also weniger die Produktidee notwendig. Es geht vielmehr darum, ihr Potenzial zu erkennen. Und es geht um die Frage, ob die Idee zur richtigen Zeit den richtigen Nerv trifft.

Gab es auch Fehler, aus denen Sie lernen mussten?

Lea-Sophie Cramer: Wir hätten bei der Gründung fast auf den falschen Namen gesetzt. Denn „Love Facettes“ – ein Englisch-Französischer-Mix – kam uns großartig vor. Das wäre aber für die hauptsächlich deutschsprachigen Kunden schwer zu schreiben gewesen – ebenso zu hören oder im Web zu suchen. Zum Glück haben wir unter unseren zehn Favoriten 40 Freunde von uns abstimmen lassen. Und da hat Amorelie mit großer Mehrheit gewonnen.

Wie beeinflusst Ihre Strategie die Kommunikation?

Lea-Sophie Cramer: Uns ist besonders wichtig, alle Kunden auf einfühlsame und vertrauenswürdige Weise abzuholen. Unsere Sprache ist selbstbewusst und direkt, aber wir verzichten selbstverständlich auf sexistische oder vulgäre Ausdrücke. Für uns steht eine authentische, aber dennoch professionelle Kommunikation im Vordergrund. Wir wollen von unseren Kunden als Experten für Liebe, Sexualität und Partnerschaft wahrgenommen zu werden. Dennoch geht der Spaßfaktor dabei nie verloren.

Gerade für Start-ups sind die Marketingmittel knapp. Wie ist es Ihnen dennoch gelungen, schnell Sichtbarkeit und Reichweite zu erzeugen?

Lea-Sophie Cramer: Allein durch unser völlig neuartiges Konzept haben wir von Beginn an enorme Aufmerksamkeit erreicht. Durch die Platzierung von Amorelie als cleane, inspirierende Marke für das eigene Liebesleben konnten wir eine bis dahin von der klassischen Erotikindustrie völlig unberücksichtigte Zielgruppe ansprechen. Amorelie wurde alleine dadurch binnen kürzester Zeit zum Selbstläufer.Dennoch haben wir von Beginn an auch großen Wert auf TV-Marketing gelegt. TV ist heute der wichtigste Marketingkanal für uns. Werbung im Fernsehen bietet uns eine enorme Strahlkraft und ermöglicht uns wegen der hohen Reichweite, ein breites Publikum anzusprechen. Das hilft uns zum einen, die Marke Amorelie noch bekannter zu machen und zu stärken. Zum anderen machen wir Sexualität damit ein bisschen mehr zu einem Thema, über das ganz normal gesprochen wird.

Welche Rolle spielen die verschiedenen digitalen Kanäle?

Lea-Sophie Cramer: Auf der enorm reichweitenstarken Plattform Facebook ist Produktwerbungen aufgrund der „No Sex Ad“-Policy für uns leider nur sehr schwer oder gar nicht möglich. Auch Retargeting oder Anzeigen im Google Display Network sind für uns problematisch. Wir machen uns die digitalen Kanäle daher vor allem für unser Storytelling und Content Marketing zunutze. Wir erzählen unsere Vision – nämlich Sextoys selbstverständlich zu machen –, berichten aus unserer Geschichte und klären über unsere Produkte auf. Dafür setzen wir alle Kanäle ein, die uns das erlauben, das erfolgreich zu machen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Marketing-Trends für Amorelie?

Lea-Sophie Cramer: Aktuell verfolgen wir den Influencer-Trend und arbeiten bereits mit einigen Influencern für diverse Kampagnen zusammen. Da wir Amorelie stark als Lifestyle-Marke platzieren möchten, ist das für uns ein wichtiger Schritt in das entsprechende Umfeld. Wir schauen uns auch immer mal wieder Offline-Konzepte an: Neben unseren Toyparties – wir haben derzeit 300 Beraterinnen im DACH-Raum – als direktes Marketinginstrument liebäugeln wir auch mit Offline-Store-Ideen. Bisher testen wir das jedoch nur durch zeitlich begrenzte Pop-up Stores in verschiedenen Städten.

 

Vortrag:
ERFOLGSSTORY: Von Schmuddel zu Lifestyle – wie AMORELIE die gesamte Erotikindustrie umkrempelte

Dunkle Bahnhofsgasse, rote Vorhänge, ein älterer Mann geht geduckt in einen Laden… Die Realität des Erotikshoppens 2013. – 4 Jahre später – Eine junge Frau browst in einem modischen, farbenfrohen, stilvollen Online Shop… Erotikshoppen 2.0 heute mit AMORELIE!

Gründerin Lea-Sophie Cramer verrät wie die Veränderung einer gesamten Industrie und der Gesellschaft durch eine neue, digitale Art zu gründen gelungen ist und welche Veränderungen AMORELIE zukünftig durchlebt um Marktführer zu bleiben.

Datum: 22.06.2017
Uhrzeit: 12:15 Uhr – 13:00 Uhr
Ort: Crossmedia Area, Halle 4 Stand 4-120

 

Über die Referentin:
Bereits vier Jahre ist es her, dass die mittlerweile 29-jährige Berlinerin Lea-Sophie Cramer die traditionelle Erotikindustrie mit ihrem Onlineshop AMORELIE gehörig aufmischte. Heute zählt sie zu den bekanntesten Vorzeige-Gründerinnen Deutschlands und wurde vom Bundesministerium für Energie und Wirtschaft zur „Vorbild-Unternehmerin“ ernannt.

 

Text: Christian Boeckmann, kleine republik, fürs CO-REACH Magazin Nr.44

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