Online-Marketing: Ein Blick in die Glaskugel

Quelle: Christian Boeckmann, Redaktion CO-REACH[magazin]

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Harald R. Fortmann, Gründer von Pixelpark Performance, seit kurzem Personalberater. Foto: privat

Als Suchmaschinen-Marketing in Europa noch Neuland war, war er 2003 einer der Pioniere – und Geschäftsführer der jungen Firma 24/7 Real Media Deutschland/ Österreich. Zehn Jahre später blickt Harald R. Fortmann (42) zurück auf die großen Entwicklungslinien und auf eine Branche, in der nur eines gewiss ist: der Wandel.

 

 

 

 

 

Herr Fortmann, wenn Sie an Ihre ersten Berufsjahre denken: Welche Entwicklungen beim Suchmaschinen-Marketing haben Sie erahnt, von welchen wurden Sie selbst überrascht?

Harald R. Fortmann: Wenn ich alle Entwicklungen erahnen hätte können, hätte ich ausschließlich in Google-Aktien investiert. Die letzten zehn Jahre haben ein Feuerwerk an Innovationen mit sich gebracht. Viele der Innovationen waren logische Schritte im Verlauf der Entwicklung. Obwohl ich, bevor ich das Thema Suchmaschinen-Marketing aufgegriffen habe, im Mobilfunk-Bereich tätig war, hätte ich damals nicht die rasante Entwicklung der mobilen und mobilen lokalen Suche erahnt. Der Bereich mobiles Internet hat sich seit der Einführung des iPhones 2007 rasant entwickelt und damit auch die Einflüsse der Google/ Android-Produkte. Zudem war ich davon ausgegangen, dass zumindest Overture (heute: Yahoo! Search Marketing) einen quantifizierbaren Marktanteil für sich vermelden könnte. Deutschland und die Welt sind aber nun Google-dominiert.

 

Welche großen Trends bewegen die Branche künftig? Auf was können sich Online-Vermarkter gefasst machen?

Harald R. Fortmann: Das mobile Internet wird zweifelsohne die meisten Veränderungen hervorrufen. Ob Gesundheitswesen, Automotive, Home Electronics oder Education – alle Bereiche werden zutiefst von den neuen Möglichkeiten profitieren und sich weiterentwickeln. In nächster Zukunft wird das iPad die Schulbücher unserer Kinder ersetzen und neue Lernformen ermöglichen. Auch Mobile Payment – einer der Trends des diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona – wird sich schneller durchsetzen als bislang erwartet.

 

Sie arbeiten als Dozent unter anderem bei der Deutschen Dialogmarketing Akademie in Hamburg. Dort kann man sich zum „Fachwirt Online Marketing BVDW“ ausbilden lassen. Wahrscheinlich müssen Sie die Teilnehmer nicht sonderlich motivieren. Dennoch: Warum ist Online-Marketing ein spannendes Arbeitsfeld?

Harald R. Fortmann: Die Digitale Wirtschaft insgesamt, nicht nur der Marketing-Bereich, ist meines Erachtens eine der spannendsten Branchen. Die rasante Entwicklung bringt immer wieder neue Produkte und Dienstleistungen hervor. Für Mitarbeiter in diesem Bereich wird es nie langweilig; man kann sich immer weiterentwickeln und muss letztendlich jeden Tag etwas Neues lernen. Dazu kommt, dass der Fachkräftebedarf momentan nicht zu decken ist. Dadurch ergeben sich auch tolle Karrierechancen für Menschen, die in dieser Branche erfolgreich sein wollen.

 

Auf den mailingtagen 2013 sprechen Sie zum Thema „So geht Digitale Werbung im B2B“. Vor welchen Herausforderungen steht die B2B-Werbung?

Harald R. Fortmann: Die größte Herausforderung ist das, was diesen Beruf so spannend macht: die ständige Veränderung. Wo es für Mitarbeiter noch der Grund für das spannende Arbeitsfeld ist, ist es für den Mittelständler oder B2B-Konzern der Fluch. Ohne stetige Weiterbildung seiner internen Teams in den Bereichen Marketing, IT und Unternehmenskommunikation verlieren Unternehmen den Anschluss und können herbe Wettbewerbsnachteile hinnehmen müssen. Die Unternehmen sind jedoch stark mit ihrem Alltagsgeschäft beschäftigt und die Notwendigkeit, hier Fachkräfte an Bord zu holen, stellt viele vor eine Herausforderung.

 

Außerdem teilen Sie sich das Podium mit Jeff Jarvis. Was halten Sie von dem Internet-Vordenker?

Harald R. Fortmann: Jeff ist zweifelsohne einer der großen Visionäre. Sein Buch „Was würde Google tun?“ empfehle ich jedes Jahr meinen Studenten, vielen Start-up-Lenkern, mit denen ich arbeite, und auch Vorständen großer Konzerne, um wieder auf das zu fokussieren, was Unternehmen erfolgreich macht: der Kunde. Ich freue mich sehr auf eine spannende Diskussion mit Jeff.

 

Ende 2012 haben Sie die Pixelpark- Gruppe verlassen und bei der Hamburger Personalberatung Dwight Cribb angeheuert. Was tun Sie dort?

Harald R. Fortmann: Seit April berate ich Konzerne und Mittelständler dabei, wie sie passende Führungskräfte mit digitalem Know-how finden. Schließlich ist Digitalkompetenz in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft heute wichtiger denn je. Die neue Rolle kam zwar ungeplant auf mich zu, hat mich aber sofort angesprochen. Diejenigen, die als Erstes eingeweiht wurden, waren keinesfalls überrascht, sondern sehen es als logische Folge meiner jahrelangen Arbeit in der Branche.

 

Auf Ihrer Webseite schreiben Sie, dass sich 2012 mit der Geburt Ihres zweiten Kindes einiges geändert hat. Seitdem gehören viele Stunden Sport zu Ihrem Wochenprogramm. Haben Sie dafür an anderer Stelle den Fuß vom Gas genommen? Können Sie anderen, sehr ausgelasteten Menschen einen Tipp für die Balance geben?

Harald R. Fortmann: In der Tat war das Jahr 2012 für mich ein Wendejahr. 17 Jahre Digitale Wirtschaft mit Vollgas hatten ihre Spuren hinterlassen. Übergewicht, Bluthochdruck, starke Lebensmittelunverträglichkeiten und 20 Jahre kein Sport waren die Folge von 16-Stunden-Tagen und mehr als 150 Flügen pro Jahr. Durch Dwight Cribb, Gründer der auf die Digitale Wirtschaft spezialisierten Personalberatung Cribb, bin ich wieder zum Sport gekommen. Er hat drei Kollegen und Freunde motiviert, sich mit ihm einen Personal-Trainer zu teilen. Seit fast einem Jahr treffen wir uns jeden Donnerstag um 7.30 Uhr und schwitzen gemeinsam. In diesem Zusammenhang habe ich das Laufen, Schwimmen und Radfahren wieder aktiviert, Yoga entdeckt sowie eine komplette Ernährungsumstellung vorgenommen. Ich kann jedem nur empfehlen, mal darüber nachzudenken, auch das Auto abzuschaffen. Ich fahre seit April 2012 nun Fahrrad; am Tag mindestens 35 Kilometer an der Elbe lang. Und ich habe bis heute nicht einmal das Auto vermisst. Und wenn ich eines brauche, gibt es Busse, Taxis und natürlich Car2Go. So habe ich massiv etwas für meine Gesundheit getan und zudem freut sich die Natur über weniger Abgase. Der Spruch „Ich bin so viel unterwegs, ich schaffe es nicht, Sport zu machen“ war meiner. Und er ist eine Lüge. Wenn man will, kann man es ohne weiteres einbauen. Am Ende des Tages ist nur ein Mitarbeiter, der gesund ist und mit seinem Privatleben in Balance steht, auch im Job erfolgreich. Daher habe ich, bevor ich einen neuen Job im April starte, jetzt auch sehr die drei Monate Elternzeit genossen. Auch das eine Empfehlung an jeden, der das Glück hat, ein Kind sein eigen zu nennen. Die emotionale Intelligenz, die man hier gewinnt, zahlt sich auch im Beruf aus.

 

Zur Person

Harald R. Fortmann ist seit 1996 in der Digitalen Wirtschaft aktiv, vor allem im Bereich SEM und Advertising. Er gründete unter anderem die Yellow Tomato GmbH (heute: Pixelpark Performance). Seit 2005 ist er Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V.

mailingtage 2013

„Digitale Werbung im B2B – Wunsch oder Realität“ lautet Fortmanns Vortrag: Crossmedia Area, 20. Juni, 12.45 Uhr.

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