Sex sells bald nicht mehr

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Christian Boeckmann / Kleine Republik
Was hat eine junge Dame im Bikini mit dem Beruf der Dachdeckerei zu tun? Wenig, denkt man sich. Trotzdem klebt ihr 1,5 Meter hohes Foto auf dem Lieferwagen. Einige Augenzeugen werden das als unpassend empfinden, andere als willkommene Abwechslung im Straßenverkehr. Penible Zeitgenossen schreiben dem Deutschen Werberat. Erst neulich war dort von vier Unternehmen zu lesen, die „trotz Beanstandung ihrer Werbung zunächst uneinsichtig waren, obwohl sie Frauen und ihre Körper als Blickfang ohne erkennbaren Produktzusammenhang benutzten.“
Überhaupt scheint Fahrzeugwerbung, „die Frauen degradiert“, ein Klassiker der sexistischen Werbung zu sein. Dem wird bald ein Riegel vorgeschoben. Nicht durch strengere Verbote und mehr öffentliche Rügen. Allein die Digitalisierung läutet das Ende der Tabubrüche ein. Jetzt weiß ich natürlich nicht, welche Erfolge der Dachdeckermeister bislang mit seiner Werbung hatte, was Neukunden und Imagegewinn angeht.

 

Aber: Vielleicht setzt er in Zukunft auf digitales Marketing. Der Handwerker knibbelt also das Damen-Foto vom Lieferwagen und lässt dort nagelneue Technik einbauen, die erkennt, welche Devices (Tablet, Smartphone, Smartwatch, Google-Brille …) samt Nutzern in der Nähe sind. Schlaue Algorithmen entscheiden über die passenden Inhalte. Die Geräte empfangen superindividuelle Werbe-Einblendungen gemäß der Präferenzen ihrer Besitzer. Künftig jubeln dann die Altbaubesitzer unter den Passanten über Sonderangebote für ein neues Dach. Wer sich dagegen erfahrungsgemäß von Werbung mit degradierten Frauen angesprochen fühlt, bekommt diese aufs Display geliefert. Beim Werberat wird er sich nicht beschweren, denn mit solchen Vorlieben geht man ungern hausieren.

Fazit: Sexistische Werbung wird nie restlos verschwinden. Aber sie wird irgendwann für die meisten Menschen unsichtbar.

Christian Boeckmann, Redaktion CO-REACH[magazin]

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