Stippvisite: Die Kunst des Kuratierens

Sammlungen pflegen und Ausstellungen gestalten: Als eigener Kurator im digitalen Raum (Foto-Credits: Wibke Ladwig)
Sammlungen pflegen und Ausstellungen gestalten: Als eigener Kurator im digitalen Raum (Foto-Credits: Wibke Ladwig)

Wenn ich von Kuratoren lese, denke ich zunächst an Museen. Eine Kuratorin oder ein Kurator gestaltet – knapp gefasst – das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm in einem Museum. Unter Kuratieren versteht man im digitalen Raum inzwischen jedoch gemeinhin die Selektion und Zusammenstellung von Inhalten zu einem Thema. »Die chaotische Fülle des Netzes ruft nach Pflege (cura) und Sortierung«, schrieb Joachim Günther (NZZ) in einer recht kritischen Betrachtung des inflationär benutzten Begriffs des Kuratierens. Kuratieren macht Inhalte zugänglich, sortiert, ordnet ein und spart im besten Falle Zeit.

Das Spektrum reicht von reinen Linklisten und Twitteraccounts, die Tweets zu einem Thema aggregieren und teilen, über Bildersammlungen und chronologisch sortierten Inhalten bis zu aufwändig kommentierten Links, deren Auswahl einem nachvollziehbaren Konzept folgt. Vorbildliche Beispiele für Letztgenanntes sind etwa der Social-Media-Newsletter von Florian Kohl, die publishernews von Andy Artmann oder der Wirtschaftsteil von Maximilian Buddenbohm im Blog der GLS Bank.

Die Kuration der Kuratoren
Mit diesem Beitrag beginnen wir unsere Stippvisite, in der wir wöchentlich drei Links zu einem Thema kommentieren und empfehlen. Es wird um Kommunikation, digitalen Wandel und Marketing gehen, Themen, die uns als wichtig und relevant für Sie, die Leserinnen und Leser unseres Blogs, erscheinen. Bei unserer ersten Stippvisite greifen wir drei Kuratoren heraus, die auf jeweils sehr eigene Weise nützlich sind.

Rivva, der Bewegungsmelder fürs Social Web
Rivva (http://rivva.de) gibt es nun bereits seit zehn Jahren. Der Entwickler Frank Westphal filtert mit Rivva das Social Web »nach meist empfohlenen Artikeln und debattierten Themen«. Es ist kein vollständiger, aber ein hilfreicher Überblick über die deutschsprachige Blogosphäre. Man kann gut ablesen, welche Themen gerade besonders interessieren oder hitzig diskutiert werden. Die Dominanz der journalistischen Angebote ist mitunter etwas erschlagend, aber wenn man Rivva regelmäßig verfolgt, lassen sich recht gut lesenswerte Blogs identifizieren.

Blendle, ein digitaler Kiosk für Nachrichten
Blendle (https://blendle.com) ist ein niederländisches Startup und startete sein Angebot für Deutschland im September 2015. Der Nutzer kann in der App einzelne Artikel aus über 100 Zeitungen und Zeitschriften kaufen und lesen. Zur Orientierung werden Artikel nach Themenressorts von prominenten Kuratoren und der Redaktion ausgewählt und dem Nutzer auf Grundlage seiner Interessen per Mail empfohlen. Der Fokus liegt hierbei auf Lesegeschichten (Longreads), nicht auf tagesaktuellen News. Hier die Top Ten bei Blendle in der zweiten Februarwoche 2016.

Piqd, der Rosinenpicker im Netz
Für 17 Themenkanäle empfehlen insgesamt 90 Experten bei piqd (https://www.piqd.de) täglich jeweils einen Link und erklären, warum man den verlinkten Beitrag lesen sollte. Die Bandbreite der Themen reicht von »Flucht und Vertreibung« über »Medien und Gesellschaft« bis zu »Osteuropa«. Das Münchner Startup verzichtet auf Algorithmen, sondern setzt ganz auf die subjektive Auswahl ihrer Experten.

Der Mensch macht‘s
Was das Kuratieren von reinen Algorithmen unterscheidet, ist die manuelle Auswahl durch die Kuratoren. Daher ist natürlich durchaus entscheidend, wer selektiert und die Links aufbereitet. Daher hier einige Worte zu Ihrer Kuratorin der Stippvisite: Ich heiße Wibke Ladwig und lebe in Köln. Als Social Web Ranger begleite ich Unternehmen im Landschaftsraum Internet und als Ideenkatalysatorin entwickle ich Ideen und Konzepte für gutes Storytelling. Daneben pflege ich verschiedene eigene Projekte im digitalen Raum, z.B. #printtwitter, wo ich seit 2012 skurrile Nachrichten aus dem Kleinanzeigenteil der Tageszeitung kuratiere.
Künftig werden Sie mir hier im Blog öfter begegnen, etwa in der Kostprobe, in der ich wöchentlich interessante Menschen zu Kommunikation und einer sinnvollen Verbindung von analogem und digitalem Raum befrage. Und ich hoffe, dass wir uns dann auch im Juni bei der CO-REACH begegnen werden!

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